Erst letztens sah ich einen Bericht in einer Österreichischen Zeitschrift zum Thema BDSM.
Die Überschrift lautete – „SADOMASO – Lust durch Gewalt“ – Report über die heimische Szene“.
Gut, was sollen „Blümchensexler“ denn da denken?
Die bösen, gemeinen SMler. Alltagssadisten/Masochisten. Man liest immer wieder von „Der Kannibale von Rothenburg“, von Kellern, wo Menschen festgehalten werden, … – und all das wird vermischt mit dem einvernehmlichen BDSM, den wir SMler leben.
Hier geht es weder um Gewalt, noch um wirklichen Zwang.
Es geht um erwachsene, mündige Menschen, die ihre Sexualität einvernehmlich mit BDSM-Komponenten er(aus)leben.
Und hier sind wir schon beim Punkt. Einvernehmlich.
Wir lesen in div. BDSM-Internetseiten immer von SSC – Safe, sane & consensual, wir erfahren von Codewörtern, die man verwenden sollte und von Ampelcodes.
„Ja nie eine erste Session mit jemanden machen, den man nicht kennt ohne Codewort“ …
Was hat es nun auf sich mit den ganzen Begriffen?
Sub sagt praktisch in der Session „grün“ für gut, „gelb“ für kritisch und „rot“ für stop.
Beim Codewort wird praktisch ein ganz ausgefallenes Wort genommen, welches Sub rufen kann, wenn es zu viel ist.
Sehr häufig ist es „Gnade“. Sieht man dann SM-Filme, manche Dominas, aber auch priv. Sessions, wo Sub schon mehrmals „Gnade“ ruft, Dom aber bestenfalls kurz mit der Handlung pausiert.
Einmal erzählte ein Pärchen in einem Forum, man solle doch der Sub, wenn sie geknebelt ist, z.B. ein Tuch, eine Rose oder sonstige Dinge in die Hand geben. Lässt sie die fallen, ist es zu viel.
Jetzt stell ich mir grad vor, ich liege irgendwo gefesselt, geknebelt, vielleicht noch mit Maske. Bin absolut geil, kurz vor dem Abheben und Fliegen.
Es passt alles, ich bin überglücklich. Doch irgendwie pass ich nicht auf und der Gegenstand fällt zu Boden. Vielleicht weil ich so in Ektase bin, vielleicht, weil ich einfach keine Lust mehr hatte, das blöde Ding in Händen zu halten.
Jetzt kann sich jeder ausmalen, wie toll es weiter geht …
Warum sollte sich Sub samt Knebel nicht bemerkbar machen können?
Aus dem Raum darf man in so einer Situation ohnehin nicht gehen – auch würde in dem Fall der Gegenstand auch nicht „Alarm“ rufen – es sei denn, man lässt einen Ziegelstein fallen ;-)
Was ist nun mit derartigen Hilfestellungen?
Brauchen wir ein SSC?
Ich finde, bei mir als verantwortungsvollen SMlern, ist das eigentlich selbstverständlich, dass der Körper und der Geist meiner(s) Spielpartner(s)in nicht verletzt wird.
Und nein, ich meine jetzt nicht die einvernehmlichen Spuren nach einer Session.
Ich denke, bei verantwortungsvollen SMlern ist das eigentlich selbstverständlich, dass der Körper und der Geist nicht verletzt werden darf und das höchste Gut ist, welches mir. Dass Grenzen und Tabus eingehalten werden.
Auch finde ich es immer ein wenig befremdlich und traurig, dass manche SMler als Tabus immer Kinder nennen.
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das muss ich doch nicht extra erwähnen.
Dass aber die Grenzen und Tabus nicht immer so ganz ernstgenommen werden, höre und lese ich immer wieder im Internet und in Gesprächen.
Besonders bei prof. Dominas Eine ganz schöne Menge meiner Besucher haben mir von Sessions und Damen erzählt, wo ihre Grenzen und Tabus zwar angehört bzw. auf einem „Was mag ich alles – Formular“ angekreuzt wurden, häufig aber nicht im Geringsten beachtet und eingehalten wurden. Das OWK war das beste Beispiel hierfür. Da hat man nicht selten das Gefühl, dass hier nur Hass/Machtgefühle gegen das männliche Geschlecht ausleben möchten.
Der Mensch und seine Gesundheit (geistig wie körperlich) ist für mich das Wichtigste, denn ein Mensch vertraut mir seinen Körper und seine Psyche an und die darf ich auf keinen Fall verletzen.
Dann kommt alles andere.
Oft werde ich gefragt, warum ich ohne Codewort spiele.
Weil ich es einfach nicht brauche.
Das mag vielleicht etwas überheblich klingen, aber ich muss dazu ein wenig ausholen.
Ampelcodes – ein fürchterlicher Gedanke.
Würden doch für mich die permanenten Rufe der drei Farben jegliche Session stören.
Ich bin der Mensch, der in einer Session sehr wenig redet (manchmal kann Verbalerotik aber durchaus geil sein) und wenn, dann sehr leise.
Ich brauche nicht laut schreien um meine Wünsche/Befehle durchzusetzen und meine Dominanz zu unterstreichen.
Viel geiler ist es, wenn ich mit einem Lächeln im Gesicht, etwas fordere.
Ich schreie meine SpielpartnerInnen nicht an – bin nicht die Herrin, die wild umher reißt. Ein Video von zwei Wiener Dominas zeigen aber z.B. genau das.
Da wird der Sub schreiend durch die Gegend gescheucht, gezogen, geschlagen.
Völlig unkoordiniert wird herumgeschlagen. Alle ein, zwei Minuten die Stellung gewechselt und der Sub am Boden umher geschliffen. Auf, nieder, rechts, links …
Vielmehr würde das Nennen dieser Ampelfarben meine Sessions und mich völlig aus dem Konzept bringen.
Warum verwende ich nun kein Codewort??
Sagen wir mal so – wenn ich z.B. im Studio spiele und jemanden gerade erst kennen gelernt habe und der/diejenige fragt mich, ob wir ein Codewort zur Sicherheit verwenden können, dann sage ich natürlich nicht nein – ich möchte ja, dass sich der/diejenige bei mir wohl und sicher fühlt.
Klar – es ist total einfach. Besonders in Studiosession mit prof. Dominas. Der Sub meldet sich schon mit „Gnade“, wenn es doch mal zu viel wird.
Da braucht man sich nicht auf den Menschen einlassen. Da kann man das tun, was man möchte – vielleicht das Standardprogramm (O-Ton aus einer Reportage in einem öst. Magazin) fahren und wenn es dann doch mal zuviel wird, meldet sich Sub eh mit dem Stoppwort.
In einer TV-Reportage agiert eine Domina mit einem Gast – Sklaven.
Es ist ihm offenbar zu viel. Er bittet um Gnade. Sie hört aber nicht auf. Macht mehrmals weiter. Er ruft mehrmals „Gnade“ – das interessiert sie eine ganze Weile nicht. Wofür benötige ich dann ein Codewort, wenn ich eh nicht aufhöre?? Sollte es zum Spiel gehören – gut, wie macht man(n) sich dann bemerkbar???
Mir wäre das zu einfach, die Verantwortung an den Sub abzugeben und so lange weiter zu machen, bis dieser das Stopwort nützt.
Ich möchte mich auf den Menschen einlassen. Dies geht natürlich einmal nur, wenn der/diejenige sich auch mir anvertraut und mir sein/ihr Vertrauen entgegen bringt und wenn ich nicht wie einige Damen, drei, vier, fünf Sessions am Tag mache.
Ich genieße es, mich auf den Menschen einzuspielen, ihn zu fühlen, zu erforschen – gemeinsam die Grenzen ausloten.
Wenn ich den Menschen spüre, seine Gefühlsregungen beobachte, seine Reaktionen auf Handlungen mitbekomme, wofür brauch ich dann ein Codewort?
Dann merke ich in der Regel, lange bevor der/diejenige „Stopp“ sagen würde, dass etwas nicht passt.
Und sollte ich es wirklich einmal falsch deuten, weil ich den/diejenige(n) noch nicht so gut kenne (ich spiele z.B. auch sehr gerne spontan auf Parties, Clubs, …), so denke ich, dass sich ein erwachsener Mensch durchaus artikulieren kann.
Und man merkt schon, ob das zum Spiel gehört oder ob momentan wirklich was zwickt.
BDSM ist ein sehr, sehr komplexes Thema. Ebenso wie die Menschen auch sehr individuell und verschieden sind.
Letztens entstand hier bei einem Thema bzw. einem Foto von mir eine große Diskussion.
Bis es sich aufgeklärt hatte, wurde mir Verantwortungslosigkeit vorgeworfen.
Gut, man kennt mich nicht, man weiß noch nicht, dass ich sicher der Mensch bin, dem neue SpielpartnerInnen, besonders Anfänger nachsagen, ich wäre zu sanft.
Es ging um ein Hängebondage. Die Sub hing mit dem Bauch nach unten in den Seilen. Sie hatten eine Plastiktüte (für uns Österreicher ein Sackerl) am Kopf. Diese war im Augenbereich verklebt, ebenso um den Hals. Ein Freund vergenussniegelte sie.
Im Endeffekt hatte sie dann bei Mund/Nase ein Luftloch. Das sah man am Foto nicht. Jedoch kannten wir uns zu diesem Zeitpunkt sehr gut. Ich kannte ihre Reaktionen und Fantasien. Wir spielten ja nicht zum ersten Mal – auch im Bereich Atemreduktion.
Sie brauchte gar kein Codewort. Ich hatte sie permanent im Auge. Ich sah jede kleinste (Er)Regung.
Sie hätte nichts sagen müssen, ich hätte sofort an ihren Reaktionen gewusst, wenn etwas nicht passt.
Bis jetzt bin ich damit eigentlich sehr gut gefahren. Und ich sage mir immer „never change a runnig system“ ;-)
Lieben Gruß,
Katarina |