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Wenn ich mich zwischen zwei Sünden entscheiden muss, begehe ich immer diejenige, die ich noch nicht kenne.
Mae West
 
 


Stellungnahme zur ATV-Reportage "DER EROTIKREPORT - Sado-Maso-Träume":

Hier könnt Ihr meine Stellungnahme zur Reportage "DER EROTIKREPORT - Sado-Maso-Träume" auf ATV+  vom 20.6.2006 nachlesen!

Warum schreibe ich das? Weil ich mich von Teilen, die in dieser Reportage gezeigt wurden - genau genommen von den Aussagen der Profidomina - distanzieren möchte. Ich lebe meine Neigungen nicht nur privat aus, sondern auch als Domina in meinem Studio. Darum haben mich diese Aussagen und das gezeigte von der Profidomina gleich zweifach be(getroffen).

Hier der zitierte Text von der ATV-Homepage, damit Ihr wisst, was in der Programmvorschau zu dieser Reportage steht:

Teil 4: "Sado-Maso Träume"
Unter SM versteht man eine sehr unterschiedliche Gruppe von sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz, Unterwerfung, spielerischer Bestrafung, Lustschmerz und Fesselspielen im Zusammenhang stehen. Wien ist eine wahre Hochburg der Sado/Maso Szene, als Kontaktadresse für alle an der Szene Interessierten gilt das Smart Cafe. Egal ob Sado -Maso Fans, Sklaven, Fetischisten für Lack, Leder,Latex, Uniformen, Fußerotik, Bondage, Rollenspiele alles sind im Smart herzlich willkommen. Die Domina Contessa Cruella trifft dort einen Bekannten, einen Natursektliebhaber, dem sie an Ort und Stelle seine Wünsche erfüllt. Sie gilt vor allem als Spezialistin für Züchtigungen, Beschneidungen, Skalvenausbildungen und der sogenannten Penisfolter. Nach drei gescheiterten Ehe, hat sie erst mit vierzig ihre wahre Berufung entdeckt und zeigt jetzt, unterwürfigen Männern die "Harte " Kunst der Liebe. Privat lebt sie mit Lebenpartner und drei Hunden in einem beschaulichen Haus am Lande und ist davon überzeugt das ein jeder Mensch diese Neigungen in sich trägt.
In der S/M Szene geht es aber nicht immer um sexuelle Praktiken sondern auch um ein eigenes erotisches Kunstverständnis. Der 52.-Jährige Fotograf Gerhard Abba ist einer der führenden internationalen Fetischfotografen. Der Erotikreport begleitet ihn, in eine Latexfabrik in Kaisermühlen auf eine Fotosession der etwas anderen Art.
Andreas Mannsberger begleitet Dominas und ihre Kunden durch eine bizarre Welt der sexuellen Fantasie und der erotischen Vielfalt.

HIER NUN MEINE STELLUNGNAHME:

Was dachte ich mir, als ich die Reportage gestern sah? Mein erster Gedanke war, eine Stellungnahme auf meiner Homepage zu verfassen, um mich von gewissen dargestellten Inhalten zu distanzieren.
Warum? Weil ich ein Mensch bin, der neben der Privatszene und dem privaten Ausleben von BDSM, auch die Seiten einer sog. professionellen Domina kennt.
Somit hat mich der Bericht auf zwei Seiten be(ge)troffen.
Eigentlich hatte ich mich auf die Reportage gefreut. Viele Freunde sollten ihre Leidenschaften vorstellen und über ihr Leben mit BDSM berichten.
Dieser Teil der Reportage hat mir auch gut gefallen.
Nun gut, wovon möchte ich mich also distanzieren?
Von der im Bericht dargestellten Profi-Domina und ihrem „Leben mit BDSM“ und vor allem aber ihren Aussagen, die teilweise nicht nur einfach peinlich, sondern auch beleidigend waren.
Warum schreibe ich das?
Aus zwei Gründen – die mir eigentlich sehr am Herzen liegen:
Ich möchte einmal erleben, dass in derartigen Sendungen, eine professionelle Domina gezeigt wird, die BDSM auch privat auslebt und nicht nur Profit damit schindet.
Aber da haben Gezeigte und Zeigende wahrscheinlich viel gemeinsam. Denn leider wird in privaten Sendern immer nur auf reißerische Stories für die Quotenförderung geachtet. Nicht aber darauf, vielleicht ein wenig mehr Toleranz in der Bevölkerung zu schaffen, oder wertfrei aufzuklären.
Nein – stattdessen wird wieder einmal eine Profi-Domina gezeigt, die SM – nach ihren eigenen Aussagen – nicht zu ihren privaten Leidenschaften zählt. Ich finde es ja schon so schade, dass man das immer trennen muss. Ich kenne das nicht. Betreibe ich SM doch privat – in meiner Partnerschaft und mit Freund/innen – wie auch im „Studio“ mit Leidenschaft.
Auch ihr Partner meinte, dass sie damit gar nichts anfangen kann/können.
Damit bestätigten sie wieder einmal die typischen Klischees, die für die professionelle Szene immer so gelten.
Die Privatszene distanziert sich leider sehr oft sehr strikt, von der sog.
prof. Szene, was ich bei derartig getätigten Aussagen auch gut verstehen kann.
Warum zeigt man nicht einmal eine Domina, die das Smartcafe auch privat besucht? Vielleicht mit Freunden ihren Leidenschaften nachgeht oder mit dem einen oder anderen Gast den Abend nach einer Studiosession in diesem privaten Ambiente ausklingen lässt.
Cruella dagegen spricht sogar abfällig über ihre eigenen „Gäste“. Das Geld, und nur das Geld spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle.
Gezeigt hat sie einfallslose SM-Sessions – keine Erotik, keine Nähe, keine Zärtlichkeiten, keine Achtung vor dem Menschen und seinen Fantasien und Neigungen – nein nur hart, härter am härtesten.
Macht frau nicht alle Praktiken mit, scheint sie nicht dabei zu sein, am großen Planeten "Profi-Studio".
Eine der getätigten Aussagen findet sich zufälligerweise in meinem Kabarett:
Das erste Wiener SM-Kasperltheater – in Kürze auf meiner Page zu sehen – alle, die vorigen Sommer bei Esther und mir im Garten am Geburtstagsfest war, kennen es ja bereits.
Und zwar folgender Satz: „ Ist das gut – gefällt Dir das?“. Was wird der Sklave wohl darauf antworten (wenn er überhaupt etwas antwortet)? Meiner Meinung nach, eine Art der Frage, um sich nicht mit den Gefühlen und dem Gemütszustand des Spielpartners auseinander setzen zu müssen.
In einem Punkt – in dem ich es am wenigsten erwartet hätte – ist sie erstaunlich ehrlich: Durch eine Zeitungsanounce ist sie zufällig auf die Idee gekommen, Domina zu werden. Halt, nein – zuerst war sie ja eine Zofe – dann bemerkte sie aber, dass sie eigentlich dominant ist – wohlgemerkt, obwohl sie gar keinen SM lebt. Find ich irgendwie interessant. Wenigstens kam nicht der Standardsatz "Ich wusste ja schon mit 12 Jahren, dass ich dominant bin, weil da hab ich immer schon alle Buben verhaut".
Auch ihre Aussagen als Hobbypsychologin haben mir teilweise sehr aufgestoßen. Sie versuchte andauernd irgendwelche Gründe zu finden, warum jemand SMler ist. Vor allem nahm sie dazu die typisch klischeehaften Gründe zur Hand. Von den armen Managern, die sich so sehr danach sehnen, einmal in der anderen Rolle zu sein bis hin zu den Traumata aus der Kindheit, der bösen Mutter, die einen zu lange in der Windel hat liegen lassen und anderen Schwachsinn.
Es fielen Aussagen, wie "da muss man ja (be)geschädigt sein, wenn man ein Studio besucht". So etwas sagt eine prof. Domina über ihre Gäste, von denen lebt! Sie meinte, „SMler können eh keinen Orgasmus mehr bekommen, es sei denn, sie werden aufs brutalste gequält“ (sinngemäß, den genauen Wortlaut habe ich nicht im Kopf).
Manche können, oder wollen nicht begreifen, dass es Menschen gibt, denen "SM" – das "Spiel mit Macht" – ganz einfach Spaß macht und obendrein Befriedigung verschafft (als spezielle Spielvariation der menschlichen Sexualität).
Die Gründe, warum sich diese Menschen für den Beruf der Domina entscheiden, liegen wohl klar auf der Hand ...
Einige Male musste ich auch lachen – aber nicht weil ich es so furchtbar lustig fand, sondern weil ich einfach peinlich berührt war.
U. a. als Cruella den sogenannten "Humbler" erklärte – hier meinte sie, man würde die „HODEN“ darin flach quetschen. Nun ja, manche verwenden es vielleicht dafür – gedacht ist er aber eigentlich für etwas anderes.
Leider wurden sehr viele verantwortungslose Praktiken erwähnt, die meiner Meinung nach in einem Studio nichts zu suchen haben, da es sich dabei teilweise um gesundheitlich bedenkliche Praktiken handelt. Insbesondere, wenn diese auch noch unter Missachtung sämtlicher hygienischer Grundsätze praktiziert werden. (Und das sage ich jetzt aufgrund meines Insiderwissens.)
Viele werden jetzt auch glauben, man kann für Geld alles in einem Studio bekommen.
Dies sollte jedoch nicht so sein – es gibt ethische Grenzen!
Ich hatte gehofft, meine Mutter würde sich den Bericht nicht ansehen. Denn so bekommt sie, wie genauso viele andere „NICHT“ SMler bzw. Leute aus der sog. Privatszene, die mich nicht kennen und wissen, wie ich das handhabe, ein wahrlich grausames Bild von mir und meiner Berufung. Und ich will da wirklich nicht in den selben Topf geschmissen werden!!!
Aber natürlich hat sie ihn gesehen. Gottlob ist meine Mutter ein sehr, sehr toleranter Mensch und wir verstehen uns prächtig. (sie weiß auch sehr viel von meinen Aktivitäten). Und sie hat kein Problem mit meinem Beruf und wir reden viel darüber. Ich erkläre ihr sehr viel und sie geht mit mir SM-Möbel kaufen oder schenkt mir auch schon mal das eine oder andere SM-Spielzeug.
Trotzdem ist sie eine teils sehr konservativ denkende Frau, der Berichte dieser Art, leider ein sehr falsches Bild vermitteln.
Bedanken möchte ich mich vor allem bei Robert und seinen beiden Mädels.
Soviel Harmonie und Zärtlichkeit, Achtung und Hingabe – all das habe ich bei der prof. Domina vermisst. Aber das kann ja nicht funktionieren, wenn sie sich – (nach ihren eigenen Aussagen) von dem total abgrenzen muss, was sie tut.
Auch Mels lustigen Aussagen und die abschließende Feststellung, SM habe auch etwas mit Intellekt zu tun, waren wenigstens ein kleiner Lichtblick in einem sonst auf reißerisch aufgemachten Bericht.
Vielen lieben Dank für Euer Interesse.
Lieben Gruß,
Katarina


Aktualisiert am 10. September 2009

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